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15.01.2019

Seniorenplan 2016 Stadt Hannover

Seniorenplan 2016 Stadt Hannover


Leitlinien der Seniorenarbeit in Hannover - Das Alter hat Zukunft

Der demografische Wandel und gesellschaftliche Entwicklungen führen zu neuen Herausforderungen. Es gibt tendenziell einen immer weiter steigenden Anteil der Bevölkerung im Seniorenalter. Bemerkenswert sind die Potenziale des Alters, wohl niemals zuvor gab es in Deutschland so viele relativ gesunde und befähigte ältere Menschen; aber auch Hochaltrigkeit mit größerem Unterstützungsbedarf ist nicht mehr nur eine seltene Ausnahme, sondern wird zur Normalität. Die Rolle der Älteren für das familiäre Zusammenwirken einerseits und die traditionell der Familie obliegende Sorge um unterstützungsbedürftige Ältere andererseits kommen jedoch zunehmend an ihre Grenzen, vor allem weil es seit Jahren eine Tendenz zu eher kleineren Familien gibt und die verschiedenen Generationen einer Familie oftmals räumlich getrennt voneinander wohnen.

Kommunale Seniorenarbeit muss im Sinne der Daseinsvorsorge dabei den Blick besonders darauf richten, dass Unterstützung da geleistet wird, wo sie notwendig ist. Das bedeutet nicht, dass die Kommune die Familienstrukturen ersetzen, sondern subsidiär dort wirken sollte, wo Not nicht anderweitig behoben wird. Im Übrigen sollte die Kommune ergänzend zur Familie und im Konzert mit freien Trägern allgemein generationsübergreifend zur Schaffung von Gemeinschaftsstrukturen anregen, dabei sollen die Potenziale des Alters durchaus sinnvoll einbezogen werden.

Würde und Lebenssinn

Alter wird umso würdevoller erlebt, je stärker Selbständigkeit, Selbstbestimmung und Eigenverantwortlichkeit den Alltag prägen. Zugleich braucht der Mensch Gesellschaft, zumindest auf Dauer wird Einsamkeit als belastend empfunden. Auch die Schattenseiten des Alters – Unterstützungsbedarf, Pflegebedürftigkeit, Krankheiten – auch in Form von Demenz – beeinträchtigen die Würde des Menschen nicht. Alte Menschen leisten zudem wertvolle Beiträge zum Wohle der Gemeinschaft, ob in Familie oder Gesellschaft. Teilhabe und Mitgestaltungsmöglichkeiten bereichern die Gemeinschaft, heben zugleich das Selbstwertgefühl, können sinnstiftend wirken und machen zufriedener.

Moderne Seniorenarbeit

Seniorenarbeit muss das selbstbestimmte Leben im Alter unterstützen, ohne sich dabei aufzudrängen. Förderlich sind insoweit ein umfassendes Beratungsangebot, eine präventive und gesundheitsfördernde Ausrichtung einschließlich Sport/Bewegung, Einladungen zu unterschiedlichsten Veranstaltungen sowie Gruppen und Gemeinschaften, welche auch die Vielfalt der Menschen und Lebenssituationen berücksichtigen. In der Stadtgesellschaft gibt es eine Vielzahl an Akteuren, die Angebote und Projekte bereitstellen und entwickeln und damit einen Beitrag zu einer alternsgerechten Stadtentwicklung leisten. Im vorliegenden Seniorenplan sind überwiegend Aktivitäten des Kommunalen Seniorenservice Hannover (KSH) im Fachbereich Senioren benannt. Die Verbände der Freien Wohlfahrtspflege sind mit ihrem Engagement wichtiger Bestandteil der sozialen Arbeit in der Stadt Hannover. Sie tragen durch ihre Vielseitigkeit zu einer pluralistischen sozialen Arbeit bei, die sich an den Lebenslagen älterer Menschen orientiert und sich positiv auf das Leben und Wohnen für Ältere in Hannover auswirkt. Auch der Sportbereich (Stadtsportbund, einzelne Vereine, freie Angebote) ist gegenüber Bewegungsangeboten für Ältere sehr aufgeschlossen. Durch die Vielfalt der Teilhabemöglichkeiten kann den Herausforderungen der Zukunft besser begegnet werden. Seniorenarbeit muss zugleich sensibel dafür sein, wo Selbsthilfe offenbar nicht mehr reicht und ein Bedarf an Unterstützung entsteht. Erforderlichenfalls muss die Gemeinschaft die notwendige Unterstützung organisieren und leisten.

Um diese Sensibilität zu erreichen und eine benötigte Unterstützung leisten zu können, bedarf es der Mitwirkung vieler Einzelner, ganzer Nachbarschaften, der Zusammenarbeit der Kommune mit freien Trägern und Verbänden. Die Zusammenarbeit des KSH mit Wohlfahrtsverbänden und anderen Akteuren der Seniorenarbeit findet ihre Gestalt in der seit 2003 ausgeweiteten Netzwerkarbeit: Das stadtweite Netzwerk und die stadtbezirklichen Netzwerke werden als Basis wertschätzender und partnerschaftlicher Zusammenarbeit mit dem Ziel genutzt, möglichst Synergien gewinnen zu können. Förderlich ist es, einer gerade im Alter drohenden Vereinsamung einzelner Menschen entgegen zu wirken und bei Bedarf auf eine ganze Palette von Unterstützungsmöglichkeiten zurückgreifen zu können, dabei insbesondere auch niedrigschwellige und aufsuchende Dienste vorzuhalten. Die Gewährleistung der Pluralität von Aktivitäten und Angeboten ist wichtig und maßgebend, weil nur so der vielfältig und größer werdenden Zielgruppe der Senioren und ihren Bedarfslagen entsprochen werden kann.

Um nicht erst relativ spät durch die öffentliche Hand Hilfe im Sinne einer Krisenintervention organisieren zu müssen, erscheint eine möglichst frühzeitige Vernetzung gerade der älteren Menschen in Gruppen und/oder der Nachbarschaft wichtig. Hier geraten Organisationen, ohne Unterschied ob staatlich, kommunal oder seitens anderer Träger, an ihre Grenzen. Selbstorganisation und die Bereitschaft zur Unterstützung durch Nachbarn oder Bekannte für verschiedenste Dienste, ob spontan im Einzelfall, wiederkehrend oder aus jeweiliger Situation, müssen ergänzend gepflegt und erforderlichenfalls angeregt und entwickelt werden. Bei der Entwicklung von zukunftsorientierten Handlungsstrategien in der sozialen Arbeit mit älteren Menschen in Hannover, müssen die Aspekte Trägervielfalt, Subsidiarität und Angebotsvielfalt Beachtung finden und sich im Verhältnis zwischen der Kommune, freien Trägern und Nachbarschaftsinitiativen wiederspiegeln. Ältere Menschen brauchen Unterstützung, sie können aber auch selbst Unterstützung leisten, mit zum Teil bemerkenswerten Befähigungen, im Wert nicht zu unterschätzen sind dabei selbst bloße Anwesenheit („Achtung! Wachsamer Nachbar!“) und verfügbare Zeit.

Den Seniorenplan 2016 finden sie hier